Kategorie-Archiv: Alte Muster

Endlich kann ich wieder richtig atmen!

Liebe Leserin, lieber Leser,

Katrin erzählt mir, dass sie sich nicht wohl fühle und gar nicht weiß warum.

Als wir uns im Gespräch so gegenüber sitzen, bemerke ich, dass ihr Atem immer wieder ins Stocken gerät. Ich frage sie, ob ihr dies bewusst ist. Es ist ihr bis jetzt nicht aufgefallen, antwortet sie. Wir machen ein paar Atemübungen damit sie erkennen kann, was mit ihrem Atem passiert. Bei einer der Übungen entspannt sie sich mehr und mehr. Sie schließt die Augen und ist erstaunt, wie gut sich dies anfühlt. Ich lasse sie ein paar Minuten diese Entspannung genießen.

Plötzlich erscheint Katrin ein inneres Bild. Sie schildert mir ein Begebenheit mit einem Weihnachtsbaum, ihrem Vater und Freunden. Sie selbst ist mit etwa neun Jahren auch dabei und fühlt sich sehr wohl in dieser Atmosphäre. Ich fordere sie auf, dieses Bild zu genießen. Nach einer kurzen Pause erwähnt sie, dass sie nun aber eine Mauer zwischen sich und den Menschen dort empfindet.

Wozu dient dir diese Mauer, was ist damit? Spontan spricht sie aus: „ ich fühle mich vollkommen isoliert!“, Tränen kullern ihre Wangen herunter. Ich frage sie, ob es im Alter von neun Jahren für dieses Trennungsgefühl einen Auslöser oder ein Ereignis dazu gab. Sie erinnert sich, dass sich ihre Eltern zu dieser Zeit getrennt haben. Plötzlich kann Katrin alle Trauer, die sie damals verdrängte, endlich zulassen. Mit diesem Zulassen weicht auch die Anspannung in ihr. Nach einer Weile atmet sie ganz frei und fühlt sich sehr erleichtert. „Unglaublich, was hier mit mir passiert“, äußert sie.

Ich erkläre ihr, dass unsere Seele in Bildern spricht, dass die Trennung der Eltern für sie ein Schock war, so dass der Atem nicht mehr frei fließen konnte. Ihr Atem sei dadurch ins Stocken geraten. Aus diesem Schock, dieser schmerzhaften Situation heraus, hatte sie ihr Herz verschlossen, um ja nicht wieder solche Schmerzen erfahren zu müssen. Das war für die damals Neunjährige sicher eine intelligente Entscheidung, denn das hat sie davor geschützt, sich zu verlieren. Ihr „Denker“ übernahm nun die Aufgabe, sie durchs Leben zu führen, indem er damit zusammenhängende Gefühle weitgehend verdrängte.

Dies können wir oft viele Jahre so machen, doch irgendwann wollen unsere Gefühle mit Macht an die Oberfläche. Bei Katrin war es der Schock und die nicht gelebte Trauer, die sie nicht richtig atmen ließen. In dem Moment, wo sie sich entspannte und offen für die Annahme war, konnte sie diese unbewusst verdrängte Trauer wahrnehmen, was zu einer großen Erleichterung und einem wieder frei atmen können führte. Äußerungen wie: „Jetzt fühle ich mich viel leichter!“ sind auch für mich immer wieder wunderbare Erfahrungen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie achtsam mit Ihren Gefühlen umgehen und körperliche Symptome immer auch auf verdrängte Themen prüfen.

Herzliche Grüße

Ihre Regina Hagemann-Müller

Der Gipfelstürmer und die inneren Stimmen

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

auch ich selbst habe immer wieder mal mit alten Mustern zu tun. Hier meine kleine Geschichte

Mein Mann und ich hatten uns ein paar Tage zurückgezogen, um an unserem Lieblingsort in den Bergen die Ruhe zu genießen und Zeit zum Nachdenken zu haben. Ein traumhaftes Wetter begleitete uns, so dass wir beschlossen, am nächsten Tag einen Gipfel zu besteigen. Die Herausforderung waren 1000 Höhenmeter Aufstieg, für mich unvorstellbar viel.

In der Nacht davor wachte ich immer wieder auf. Eine innere Stimme sprach zu mir: „Das ist zu viel für Dich! Schau so fit bist Du nicht etc. Diese Stimme meldete sich ein paar Mal, so dass ich in der Nacht aufstand. Mir wurde bewusst, dass plötzlich alte Gedankenmuster mich hier von meinem Vorhaben abhalten wollten. Ich kannte diese nur zu gut, denn als Kind wurde mir ständig gesagt, dass ich zu klein, zu schwach sei, für derartige Herausforderungen. Mut wurde mir nie gemacht, sondern ich musste mich zu allem selbst motivieren. Es waren nun keine inneren Stimmen, die mich vor einer großen Gefahr bewahren wollten, sondern welche, die mich „Klein machten“. Als CQM Coach fing ich dann an, alle negativen Gedanken zu diesem Projekt Bergtour zu korrigieren, inclusiv meiner Wut darauf, dass sie sich überhaupt meldeten.

Am nächsten Morgen erzählte ich meinem Mann von diesen Stimmen. „Und zu welcher Entscheidung bist Du nun gekommen?“
„Ich gehe mit!” antwortete ich und dachte gleichzeitig dabei, ein wunderbarer Test für meine gedanklichen Korrekturen heute Nacht. Wir zogen los bei herrlich warmem Wetter und erklommen den Gipfel in 2 1/2 Stunden.

Auf dem Weg rauf beobachtete ich mich, ob da noch Zweifel auftauchten, dass ich es nicht schaffen könnte? Nichts geschah. Schritt für Schritt ging ich ohne jegliche Gedanken daran, den Anstieg abzubrechen. Oben angekommen, breitete sich in mir eine riesige Freude aus, denn ich hatte es mir schon immer erträumt, einmal hier oben zu stehen. Wir genossen den herrlichen Ausblick und unsere Brotzeit.

Der Abstieg zog sich dann nochmal 3 Stunden hin. Wir belohnten uns dann mit einem sehr guten Essen. Sie glauben es nicht, aber am nächsten Morgen rührten sich wieder innere Stimmen, die da sagten, das war zu viel für Dich, jetzt wirst Du krank. Rückenschmerzen und andere werden Dich gefangen halten. Hier musste sofort eine Korrektur her, die ebenfalls dazu beitrug, dass wir beide noch einen traumhaften, unbeschwerten Tag miteinander hatten.

Dies soll nun nicht heißen, alles, was uns zur Vorsicht ermahnt, außer Acht zu lassen. Denn den Achtsamkeitsstimmen in uns sollten wir auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken. In meinem Fall ging es aber klar um alte Muster in mir, die gerne auftauchen, wenn eine Herausforderung an mich gestellt wurde. Dank der CQM Methode wusste ich mir da zu helfen und lies mich nicht von meinem Vorhaben abbringen, sondern konnte selbstbestimmt meinen Weg gehen.

Herzliche Grüße

Ihre Regina Hagemann-Müller