Archiv für den Monat: März 2017

Endlich kann ich wieder richtig atmen!

Liebe Leserin, lieber Leser,

Katrin erzählt mir, dass sie sich nicht wohl fühle und gar nicht weiß warum.

Als wir uns im Gespräch so gegenüber sitzen, bemerke ich, dass ihr Atem immer wieder ins Stocken gerät. Ich frage sie, ob ihr dies bewusst ist. Es ist ihr bis jetzt nicht aufgefallen, antwortet sie. Wir machen ein paar Atemübungen damit sie erkennen kann, was mit ihrem Atem passiert. Bei einer der Übungen entspannt sie sich mehr und mehr. Sie schließt die Augen und ist erstaunt, wie gut sich dies anfühlt. Ich lasse sie ein paar Minuten diese Entspannung genießen.

Plötzlich erscheint Katrin ein inneres Bild. Sie schildert mir ein Begebenheit mit einem Weihnachtsbaum, ihrem Vater und Freunden. Sie selbst ist mit etwa neun Jahren auch dabei und fühlt sich sehr wohl in dieser Atmosphäre. Ich fordere sie auf, dieses Bild zu genießen. Nach einer kurzen Pause erwähnt sie, dass sie nun aber eine Mauer zwischen sich und den Menschen dort empfindet.

Wozu dient dir diese Mauer, was ist damit? Spontan spricht sie aus: „ ich fühle mich vollkommen isoliert!“, Tränen kullern ihre Wangen herunter. Ich frage sie, ob es im Alter von neun Jahren für dieses Trennungsgefühl einen Auslöser oder ein Ereignis dazu gab. Sie erinnert sich, dass sich ihre Eltern zu dieser Zeit getrennt haben. Plötzlich kann Katrin alle Trauer, die sie damals verdrängte, endlich zulassen. Mit diesem Zulassen weicht auch die Anspannung in ihr. Nach einer Weile atmet sie ganz frei und fühlt sich sehr erleichtert. „Unglaublich, was hier mit mir passiert“, äußert sie.

Ich erkläre ihr, dass unsere Seele in Bildern spricht, dass die Trennung der Eltern für sie ein Schock war, so dass der Atem nicht mehr frei fließen konnte. Ihr Atem sei dadurch ins Stocken geraten. Aus diesem Schock, dieser schmerzhaften Situation heraus, hatte sie ihr Herz verschlossen, um ja nicht wieder solche Schmerzen erfahren zu müssen. Das war für die damals Neunjährige sicher eine intelligente Entscheidung, denn das hat sie davor geschützt, sich zu verlieren. Ihr „Denker“ übernahm nun die Aufgabe, sie durchs Leben zu führen, indem er damit zusammenhängende Gefühle weitgehend verdrängte.

Dies können wir oft viele Jahre so machen, doch irgendwann wollen unsere Gefühle mit Macht an die Oberfläche. Bei Katrin war es der Schock und die nicht gelebte Trauer, die sie nicht richtig atmen ließen. In dem Moment, wo sie sich entspannte und offen für die Annahme war, konnte sie diese unbewusst verdrängte Trauer wahrnehmen, was zu einer großen Erleichterung und einem wieder frei atmen können führte. Äußerungen wie: „Jetzt fühle ich mich viel leichter!“ sind auch für mich immer wieder wunderbare Erfahrungen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie achtsam mit Ihren Gefühlen umgehen und körperliche Symptome immer auch auf verdrängte Themen prüfen.

Herzliche Grüße

Ihre Regina Hagemann-Müller