Archiv für den Monat: März 2016

Der Gipfelstürmer und die inneren Stimmen

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

auch ich selbst habe immer wieder mal mit alten Mustern zu tun. Hier meine kleine Geschichte

Mein Mann und ich hatten uns ein paar Tage zurückgezogen, um an unserem Lieblingsort in den Bergen die Ruhe zu genießen und Zeit zum Nachdenken zu haben. Ein traumhaftes Wetter begleitete uns, so dass wir beschlossen, am nächsten Tag einen Gipfel zu besteigen. Die Herausforderung waren 1000 Höhenmeter Aufstieg, für mich unvorstellbar viel.

In der Nacht davor wachte ich immer wieder auf. Eine innere Stimme sprach zu mir: „Das ist zu viel für Dich! Schau so fit bist Du nicht etc. Diese Stimme meldete sich ein paar Mal, so dass ich in der Nacht aufstand. Mir wurde bewusst, dass plötzlich alte Gedankenmuster mich hier von meinem Vorhaben abhalten wollten. Ich kannte diese nur zu gut, denn als Kind wurde mir ständig gesagt, dass ich zu klein, zu schwach sei, für derartige Herausforderungen. Mut wurde mir nie gemacht, sondern ich musste mich zu allem selbst motivieren. Es waren nun keine inneren Stimmen, die mich vor einer großen Gefahr bewahren wollten, sondern welche, die mich „Klein machten“. Als CQM Coach fing ich dann an, alle negativen Gedanken zu diesem Projekt Bergtour zu korrigieren, inclusiv meiner Wut darauf, dass sie sich überhaupt meldeten.

Am nächsten Morgen erzählte ich meinem Mann von diesen Stimmen. „Und zu welcher Entscheidung bist Du nun gekommen?“
„Ich gehe mit!” antwortete ich und dachte gleichzeitig dabei, ein wunderbarer Test für meine gedanklichen Korrekturen heute Nacht. Wir zogen los bei herrlich warmem Wetter und erklommen den Gipfel in 2 1/2 Stunden.

Auf dem Weg rauf beobachtete ich mich, ob da noch Zweifel auftauchten, dass ich es nicht schaffen könnte? Nichts geschah. Schritt für Schritt ging ich ohne jegliche Gedanken daran, den Anstieg abzubrechen. Oben angekommen, breitete sich in mir eine riesige Freude aus, denn ich hatte es mir schon immer erträumt, einmal hier oben zu stehen. Wir genossen den herrlichen Ausblick und unsere Brotzeit.

Der Abstieg zog sich dann nochmal 3 Stunden hin. Wir belohnten uns dann mit einem sehr guten Essen. Sie glauben es nicht, aber am nächsten Morgen rührten sich wieder innere Stimmen, die da sagten, das war zu viel für Dich, jetzt wirst Du krank. Rückenschmerzen und andere werden Dich gefangen halten. Hier musste sofort eine Korrektur her, die ebenfalls dazu beitrug, dass wir beide noch einen traumhaften, unbeschwerten Tag miteinander hatten.

Dies soll nun nicht heißen, alles, was uns zur Vorsicht ermahnt, außer Acht zu lassen. Denn den Achtsamkeitsstimmen in uns sollten wir auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken. In meinem Fall ging es aber klar um alte Muster in mir, die gerne auftauchen, wenn eine Herausforderung an mich gestellt wurde. Dank der CQM Methode wusste ich mir da zu helfen und lies mich nicht von meinem Vorhaben abbringen, sondern konnte selbstbestimmt meinen Weg gehen.

Herzliche Grüße

Ihre Regina Hagemann-Müller

Jetzt kann ich wieder durch den Tunnel fahren…

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer erinnert sich nicht an die ein oder andere Situation, der man hilflos gegenüber
stand – und sich nachher fragte: warum habe ich reagiert, WIE ich reagiert habe?
Und warum hat mein Körper reagiert, WIE er reagiert hat?
Auf dieses WIE gibt es nicht nur eine Antwort – es gibt auch eine Lösung!
Das Regal im Kinderzimmer war zusammengefallen, das Spielzeug lag über den
Boden verstreut, die Kinder waren begeistert. Meine Freundin, die Mutter der Kin-
der, nicht.

Nachdem sie endlich ihre 3 Kleinen untergebracht hatte, wollte sie sofort zu IKEA
fahren, damit das Regal am Abend steht und das Spielzeug wieder verstaut ist.
Schon beim Losfahren fühlte sie sich gestresst und angespannt, wollte den Termin
jedoch nicht verschieben, und fuhr auf die Autobahn.

Nachdem sie einen Tunnel durchfahren hatte, ging es ihr schlagartig nicht gut.
Und je näher der nächste Tunnel kam, desto schlechter ging es ihr, desto flacher
wurde ihre Atmung und desto größer wurde ihre Anspannung. Kurz vor dem drit-
ten Tunnel konnte sie gerade noch rechts ranfahren, sie zitterte am ganzen Kör-
per, Schweiß brach aus – sie hyperventilierte.

Nach Minuten voller Panik erinnerte sie sich zum Glück an unsere Atemübungen
aus der Yogastunde, und mit langsamem Ausatmen über den geöffneten Mund
gelang es ihr schließlich, wieder bis tief in den Bauchraum hinein zu atmen. Sie be-
ruhigte sich, und nach einer halben Stunde hatte auch das Zittern aufgehört.
Allerdings stand sie immer noch auf dem Seitenstreifen und musste durch den vor
ihr liegenden Tunnel fahren. Es gab also keinen Weg zurück, sie musste durch –
auch wenn ihr das fast unmöglich schien. Sie trat auf das Gaspedal, fuhr durch
den Tunnel, blieb sofort danach wieder am Straßenrand stehen, stieg aus und
schnappte erst einmal Luft.

Schließlich fuhr sie nach hause, das Spielzeug blieb zur Freude der Kinder an die-
sem Abend auf dem Boden verstreut, und am nächsten Tag kam sie zu mir.

“Ich weiß nicht, was das war. Es war furchtbar. Und ich habe Angst, dass sich das
wiederholen könnte“

Wir arbeiteten gemeinsam heraus, dass sie schon früher Angst hatte, durch Tunnel
zu fahren. Und auch an stark frequentierten Plätzen wie z.B. U-Bahnhaltestellen
fühlt sie sich nicht wohl. So eine starke Angst hatte sie allerdings noch nie gehabt.
Ich konnte ihr klarmachen, dass auf Grund ihrer schon sehr angespannten Alltags-
situation dieser innere Stress mit einem anderen Stress, einem älteren, nicht verar-
beiteten Stress in Resonanz zu gehen schien. Ein kinesiologischer Test ergab dann
auch, dass es sich um ein Ereignis aus ihrer frühen Kindheit handeln musste.

„Stelle Dir diese Fahrt noch einmal vor und lasse den Tunnel auf Dich zukommen“
„Ich traue mich nicht, das brauche ich nicht noch einmal!“
„Heute bist Du eine erwachsene Frau und kannst damit umgehen, als Kind warst
Du der Situation hilflos ausgeliefert. Ich helfe Dir dabei. Und falls es gar nicht mehr
zum Aushalten ist, beende ich diese Sitzung.“

Tapfer ließ meine Freundin schließlich die Szene vor ihrem geistigen Auge ablau-
fen. Und wieder fing sie an zu zittern, sie schwitzte, ihre Atmung wurde flacher.
„Atme tief in den Bauch. Lass‘ alle Gefühle und Gedanken zu, die auftauchen.“
„Ich schaffe es kaum!“ sagte sie plötzlich.
„Was schaffst Du nicht?“
„Ja, da durch zu kommen, durch den Tunnel! Oh, und dieser Druck!“
„Was ist das für ein Druck, kommt er von Außen, oder von Innen?“
„Von Außen, es ist, als wenn ich gepresst werde und es nimmt mir die Luft zu at-
men.“

Das war es, was auch ich spürte – sie brauchte wieder „Luft zum Atmen“!
Ich ermunterte sie immer weiter zu atmen, zu atmen, zu atmen – bis ihr Körper sich
ganz plötzlich entspannte. Und sie einmal ganz tief Luft holte.
„Ich kann wieder frei atmen! Als ob sich ein großer Druck in mir gelöst hätte, der
immer im Verborgenen schwelte.“
Erschöpft und erleichtert lehnte sie sich im Sessel zurück.

Mich hatte das Wort „pressen“ hellhörig gemacht. Auf meine Nachfrage erzählte
sie, dass ihre Geburt sehr lange gedauert hat, sie musste schließlich mit der Saug-
glocke geholt werden, da ihre Mutter kaum noch Kraft hatte.

„Diese Tunnelgeschichte hat etwas mit meiner Geburt zu tun? Warum taucht das
denn ausgerechnet jetzt auf und nicht früher?“
„Man geht davon aus, dass alle Ereignisse in unserem Leben in unseren Köperzel-
len gespeichert sind. Und das Leben liefert uns immer wieder Situationen, um
schmerzhafte unverarbeitete Erlebnisse von früher zu klären.“

Nach dem Ende dieser Stunde bat ich meine Freundin, auszuprobieren, ob unsere
Sitzung eine nachhaltige Wirkung zeigen würde. Sie sollte möglichst bald mit einer
Begleitperson durch einen Tunnel fahren, und mir dann Bescheid geben.
Einige Tage später rief sie an – überglücklich:
„Zuerst dachte ich, ich schaffe es nicht. Dann fuhr ich ohne zu Zögern weiter. Und
ganz ohne Begleitung!“

Auch später beobachtete sie dann immer wieder, dass ihr Verstand sie bei Tun-
nelfahrten zwar oft an das eine Ereignis erinnerte, doch die Reaktionen ihres Kö-
pers blieben zukünftig aus.
Dafür steht längst ein neues Regal im Kinderzimmer. Nur das Spielzeug, das liegt
weiterhin schön verstreut auf dem Boden …

Liebe Leserin, lieber Leser,
auch wenn ein Ereignis Sie noch so berührt – Sie können aus dem, was Sie gefan-
gen hält, heraus kommen, indem Sie mit entsprechender Hilfe mutig durch gehen.
Greifen Sie Ihr Thema auf, Ihre Lebensqualität wird dadurch enorm steigen –
Machen Sie aus einer anfangs unüberwindlich geglaubten Hürde in Zukunft ein
Erfolgserlebnis!

Herzliche Grüße Regina Hagemann-Müller